Architektur ist für Alle und beinahe überall, im besonderen Maße im Kölner Rheinauhafen. Er ist ideal geeignet, um das spannende Zusammenwirken von Ingenieur- und Baukunst, Denkmalschutz und Stadtentwicklung vor Ort LIVE zu verstehen. Er ist nicht nur für Alle zugänglich, sondern zieht die Menschen mit seinem Flair von mediterranem Miteinander und maritimer Gelassenheit magisch an. Er erfüllt nicht nur alltägliche Bedürfnisse, sondern vermittelt auch die emotionale Seite von Architektur, die hier nicht nur für Fachpublikum, sondern für alle Besucher erfahrbar ist. Vor diesem spannenden, vielschichtigen Hintergrund zwischen Alt und Neu, Himmel & Wasser, "Lääve un lääve losse" entstand auch arcTourLIVE als Ausgangspunkt für lebendige ArchitekTouren.
Der Rheinauhafen ist DAS Vorzeigeprojekt der Stadtentwicklung in Köln. Hier gezeigte Entwicklungen wie die Rückgewinnung des öffentlichen Raums oder gesteigerte Qualität im "Urban Design" können als Muster für die bevorstehende Stadterneuerung gesehen werden, wie sie im Masterplan für Köln (2008) vorgeschlagen und aktuell bereits schrittweise umgesetzt wird. Besondere Attraktivität besitzt das neue Viertel durch seine zentrale Lage am Wasser. Als Glücksfall für Köln erwiesen sich insbesondere die drei bereits im städtebaulichen Wettbewerb 1992 von Hadi Teherani entworfenen Brückenhäuser. Das den Maßstab der Severinsbrücke aufgreifende Gebäude-Trio erfuhr im Laufe des Realisierungsprozesses einige Änderungen, ehe sie in der heutigen Form der Kranhäuser verwirklicht wurden.
Ausgerechnet der weltberühmte Dom und sein Status als UNESCO-Weltkulturerbe wirkten auf die Stadtentwicklung manchmal wie ein Hemmschuh. Eine wie eine Wolke über Köln schwebende Hochhaus-Bannmeile um das Wahrzeichen der Stadt herum hat bis heute bereits einige Projekte mit Signalwirkung verhindert. So wurden erst 2005 Pläne für eine auf der gegenüberliegenden Rheinseite rund um den Deutzer Bahnhof und südlichen Messe-Eingang geplante Hochhausgruppe wieder eingestampft, welches dort das City-Tor auf der “Schääl Sick“ markieren sollte. Einzig der bereits im Bau befindliche Köln-Triangle überlebte diesen Schritt, wurde aber von 120 auf 105 Meter Höhe gestutzt. Die UNESCO hatte gedroht, aufgrund der sich verändernden Stadt-Silhouette vis-á-vis der gotischen Kathedrale, den Status als Weltkulturerbe abzuerkennen.
Mit dem Rheinauhafen und insbesondere den Kranhäusern ist Köln ein Befreiungsschlag gelungen, der die Stadt allen Widrigkeiten zum Trotz auch in der modernen Architektur wieder auf die Weltkarte hievt, und das gleich mit einem Paukenschlag. Die Form der Kranhäuser lehnt sich nicht nur an die alten Hafenkräne des Areals an, sondern zitiert zudem erkennbar El Lissitzky’s Wolkenbügel – eine Ikone der Moderne die bisher als unbaubar galt. In Köln konnte so tatsächlich Weltarchitektur von hoher, globaler Identität und Originalität geschaffen werden.
Der Kölner Rheinauhafen steht als städtebauliches Revitalisierungsprojekt in Europa nicht alleine. Die Hamburger Hafencity, der Kop-Zuid in Rotterdam (Partnerstadt von Köln), die Entwicklung entlang der Ij in Amsterdam oder die Londoner Docklands sind prominente andere Beispiele für Stadtentwicklung am Wasser. Lyon am Zusammenfluss von Rhone und Saone, Manchester, Barcelona, Valencia, Genua, Turin, Chicago, Rio de Janeiro - die Liste von Städten liesse sich weiter fortsetzen.
Nirgends aber ist heutige Stadtentwicklung im Einklang von Denkmal-schutz mit neuester, teils spektakulärer Architektur so konzentriert zu erleben wie auf der – im anderen Maßstab – Manhattan-förmigen Halbinsel am Rhein.
Die weitläufige Uferpromenade, der Eingang über den Harry-Blum-Platz am Hafenamt und der - die Breite des Ubierrings aufnehmende - Elisabeth-Treskow-Platz haben für die Kölner Südstadt und ihre Besucher den Fluss zurück gewonnen. Die neue Meile am Rhein ist heute für alle erlebbar, nicht mehr nur denen vorbehalten die hier arbeiten und neuerdings auch exklusiv wohnen.
“Architektur für Alle“ ist auch die Idee dieser Architekturführungen. Allgemeinverständlich wird Wissenswertes über Stadtentwicklung, Architektur, Historie und Denkmalschutz vermittelt.
Sie erfahren nebenbei auch wie das Dilemma der MesseCity in Deutz mit aktuellem Stand weiterentwickelt wurde und erhalten einen kurzen Einblick in das Projekt RheinBoulevard in Höhe des Kennedy-Ufers gegenüber der Altstadt.
Nicht zuletzt widmet sich arcTourLIVE der im Rheinauhafen unter den Kranhäusern oft zu hörenden Frage: „Wie hält das?“
Und was hat die Meisterschale des DFB mit dem Rheinauhafen zu tun?
Und was das "Kölle Allaaf"?